6. Sonntag im Jahreskreis
In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein. Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.
Impuls:
Das Ausstoßen von Aussätzigen wird heute als besonders schlimmes Verbrechen gesehen. Dabei muss man sagen, dass der Aussatz für die damalige Zeit eine schreckliche Diagnose war und, rein aus gesundheitlichen Maßnahmen, es das Beste war die Aussätzigen ausserhalb der Dörfer unterzubringen um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Man muss von einem fortschrittlichen System sprechen! Was genau alles als Aussatz gesehen worden ist, kann man heute nicht mehr nachvollziehen. Es reicht von der Schuppenflechte bis zu Lepra.
Wenn wir heutzutage eine Krankheit bei einem Menschen vermuten, die die Medizin nicht behandeln kann, dann kommen auch diese Menschen in Quarantäne und bleiben dort so lange bis man die Krankheit kennt und behandeln kann. Es ist weder Aussergewöhnlich noch Gemein, sondern ein Schutz für die Gemeinschaft.
Wenn ich sehe, dass jemand anderer sich in die Hand niest und mir dann die Hand geben will, werde ich auch „Danke, nein“ sagen und der Person nicht die Hand geben. Ebenso wäre es fahrlässig, wenn ich mit einer ansteckenden Krankheit in der Öffentlichkeit herumlaufe und die Möglichkeit besteht, dass ich andere mit meiner Krankheit anstecke. Dem Alten Testament nach sind die Aussätzigen Menschen mit Nahrung versorgt worden, was ja ein grundsätzlich sehr mitmenschlicher Akt ist.
Meiner Meinung nach sollten wir beim heutigen Evangelium den Fokus darauf legen, dass Jesus die Menschen heilt! Gott heilt! Jesus macht seinen Namen zum Programm. Jesus heisst: Gott ist Rettung, Gott ist Heil.
Jeder von uns sollte sich diese Aussätzigen zum Vorbild machen und immer wieder vor Jesus auf die Knie fallen und ihn bitten: „Herr mach mich rein!“
Ja! Jeder von uns muss sich immer wieder von Gott reinigen, ja heilen, lassen. Der Aussatz, der auf jedem einzelnen von uns liegt, die wir unter den Lebenden weilen, ist die Sünde. Niemand sieht sich gerne als Sünder und wie gerne stellen wir uns in einem besseren Licht dar, als wir wirklich sind.
Sünde in ihrer eigentlichen Bedeutung heisst Zielverfehlung. Ich, jeder einzelne, muss sich immer wieder fragen, wo er in seinem eigenen Leben Ziele verfehlt hat.
Das sind nicht nur gute Vorsätze fürs neue Jahr, die man am zweiten Jänner schon wieder vergessen hat. Ich muss mich fragen, wo ich in meinem Menschsein das Ziel verfehlt habe. Wo ich andere Menschen verletzt habe, wo ich mein Ego über das Wohl von anderen gestellt habe. Wo ich mich selber aus der Gemeinschaft mit Gott und anderen Menschen zurückgezogen habe, indem ich mich zB. hinter meinem Smartphone versteckt habe.
Die Kirche hat ein wunderbares Werkzeug, mit dem Gott uns rein machen und heilen will: die Beichte.
Sie befreit vom Aussatz der Sünde. Ich möchte einem jedem an Herz legen die Beichte immer wieder Anspruch zu nehmen. Es ist immer wieder eine Chance Gott zu bitten: „Mach mich rein von dem, was mich von dir abhält.“
